Binäre Optionen Broker bald ohne Einzahlungsbonus?

CySEC

Durch die zypriotische Finanzaufsichtsbehörde CySEC steht wahrscheinlich eine Regelung an, nach der künftig sowohl Binär- als auch CFD-Broker ihren Tradern keine Einzahlungsboni mehr anbieten dürfen. Davon wären Neu- und Bestandskunden gleichermaßen betroffen.

Was steckt hinter der Ankündigung?

Mit Stand von März 2017 trägt die Intention der CySEC noch Empfehlungscharakter. Der CySEC-Chef Demetra Kalogerou hat diese Empfehlung in einem Brief ausgesprochen, der an alle in Zypern ansässigen Broker ging. Das Dokument beantwortet viele offene Fragen zur Arbeitsweise von EU-Brokern. Es geht aus dem Schreiben hervor, dass die Praxis der Boni durch die CySEC als zweifelhaft betrachtet wird. Kalogerou begründete in seinem Schreiben das mögliche Verbot von Bonuszahlung mit der Schaffung von Anreizen zum Kauf höchst komplexer, aber spekulativer Produkte, zu denen er Binäroptionen und CFDs zählt. Diese würden wohl viele Anleger gar nicht richtig verstehen. Die Broker sollen mehr Transparenz und Fairness an den Tag legen. Die Praxis der Bonuszahlungen, wie sie bisher gehandhabt würde, passe nicht dazu. „Die Boni trügen den Charakter von Lockvogelangeboten“, so Kalogerou. Unternehmen würden mit solchen Bonuszahlungen gegenüber den Kunden nicht mehr ehrlich wirken. Die CySEC strebt nun an, dass die angeschriebenen Wertpapierfirmen nur noch bestehende Bonusprogramme auslaufen lassen, aber neue nicht mehr auflegen. Schon bis Mitte Dezember 2016 mussten die Broker per Mail die CySEC über ihre noch bestehenden Programme ebenso wie über künftige Planungen unterrichten. Ein direktes Verbot wurde bislang (März 2017) noch nicht ausgesprochen, könnte aber noch im laufenden Jahr erfolgen.

Weitere CySEC Neuanforderungen

Im Schreiben der CySEC Direktion geht es nicht allein um Bonuszahlungen. Ihre Auszahlungspraxis sollen die Broker ebenfalls überprüfen. Die Finanzaufsichtsbehörde stellt die Forderung auf, dass Auszahlungsanforderungen künftig taggenau vom Broker bearbeitet werden. Eine Bearbeitung am folgenden Werktag soll nur noch für Auszahlungsanträge nach Dienstschluss akzeptabel sein. Ein weiterer Punkt betrifft die Hebelwirkung von CFDs. Da diese zu unverhältnismäßigen Verlusten führen und sogar bei einer Nachschusspflicht den Kunden in die Verschuldung treiben kann, möchte die CySEC eine Begrenzung der Hebelwirkung für Privatanleger. Die britische FCA geht aktuell einen ähnlichen Schritt. Sie hat schon festgelegt, dass die Hebel von CFDs für unerfahrene Anleger ab Frühjahr 2017 auf 1:25 begrenzt werden. Als unerfahren gelten Anleger mit weniger als einem Jahr Praxis mit den gehebelten CFDs. Auch eine generelle Begrenzung des Hebels auf 1:50 hat die FCA eingeführt. Diesen Vorschlägen möchte die CySEC folgen. Die Broker müssen außerdem in Zukunft negative Salden ausschließen, indem sie auf die Nachschusspflicht komplett verzichten und sogar Verluste durch Slippage selbst tragen, wenn diese einen negativen Kontosaldo verursachen würden. Es gibt Broker, die schon früher derartige Regelungen freiwillig eingeführt haben. Das gilt für die Experten der Finanzaufsichtsbehörden als Referenz, die zum gesetzlich verankerten Standard werden soll. Broker müssen außerdem noch stärker beachten, dass Kunden die Tragweite von Anlageentscheidungen verstehen, die speziell bei Hebelprodukten hoch sein kann.

Diese Forderung ist allerdings schon seit 2004 in den geltenden EU MiFID-Richtlinien für die Finanzmärkte verankert. Die Verantwortung der Broker zum Anlegerschutz wird künftig noch ausgeweitet. Sie müssen bestimmte Eigenschaften der Emittenten von Hebelprodukten überprüfen, wovon allerdings CFD- und Binärbroker nicht betroffen sind – diese treten selbst als Market Maker auf, sind also die Emittenten. Bei fremden Emittenten etwa von Futures, klassischen Optionsscheinen und Knock-outs wären unter anderem die Liquidität des Emittenten, die technische Eigenschaften des Wertpapiers, die Volatilität und Standardabweichungen zu überprüfen.

Über CySEC

Die Cyprus Securities and Exchange Commission (Cysec) ist die zypriotische staatliche Finanzaufsichtsbehörde. Sie wurde im Jahr 2004 nach dem Beitritt zur EU zur Kontrolle der Nationalbank und des Finanzsystems gegründet, das zuvor als Steueroase bekannt war.

Als zypriotische Finanzaufsichtsbehörde ist die CySec für die Kontrolle der Börse des Landes zuständig. Gerade im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt des Landes wurde eine massive Regulierung des Finanzmarktes notwendig, bei der die CySec eine entscheidende Rolle übernahm. Darüber hinaus fällt aber auch die Kontrolle von Online Brokern, Investmentfirmen oder anderen Unternehmen aus dem Finanzsektor in den Aufgabenbereich der Behörde. Für den Eintritt im Finanzmarkt muss das jeweilige Unternehmen bestimmte Anforderungen und Standards erfüllen. Ergänzend werden auch die laufenden Tätigkeiten von der zypriotischen Behörde überwacht. Damit ein Unternehmen eine derartige Kontrolle durch die Behörde auch belegen kann, werden offizielle Lizenzen vergeben. Sollten die Finanzdienstleister gegen die Regelungen oder Vorgaben der CySec verstoßen, kann die Behörde auch Strafen aussprechen. Hierbei kann es sich um kleinere Strafen wie zum Beispiel die Zahlung von Geldern handeln, wobei gleichzeitig aber auch ein Entzug der Lizenz möglich ist.

1 Trackback / Pingback

  1. Binäre Optionen Broker bald ohne Einzahlungsbonus? - Inside Trading

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.