Wie wirkt sich die Zinspolitik der EZB aus?

EZB: die lockere Geldpolitik bestraft Sparer und entlastet Schuldner

„Der Zins kennt keine Pause. Er arbeitet auch nachts und am Sonntag. Sogar bei Regentagen“ – dieses Zitat von Henry Wheeler Shaw zeigt sehr gut die Vorteile auf, die Zinsen für Anleger mit sich bringen. Angesichts der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Zinsen zuletzt jedoch kaum noch etwas eingebracht. Die Renditen für Zinseinlagen liegen auf Rekordtiefstständen, so dass sich eine klassische Geldanlage kaum noch lohnt. Doch wie wirkt die Politik der EZB genau und wird sich diese in naher Zukunft deutlich verändern?

Bild vom Gebäude der EZB
Bild: Die EZB in Frankfurt, Quelle: 360degreeAerial – 631008524 / Shutterstock.com

 

Die EZB hat mit ihrer Zinspolitik einen großen Einfluss auf die Zinsen für Geldanlagen und Kredite. Darüber hinaus spielen die Leitzinsen sowie der Kauf von Anleihen auch für die wirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle. Wie genau diese ausfällt und was Anleger in naher Zukunft auf dem Kapitalmarkt erwarten können, wird in diesem Artikel etwas näher erläutert.

Infografik zur EZB
Infografik: EZB und ihre Ziele, Quelle: inblog-finance.com

 

Welche Auswirkungen hat die Zinspolitik der EZB?

Die EZB verfügt über die Möglichkeit, zwei fundamental wichtige Zinssätze für die europäische Wirtschaft festlegen zu können:

1) Der Hauptrefinanzierungssatz

Der Hauptrefinanzierungssatz legt fest, zu welchen Konditionen sich Banken Zentralbankgeld beschaffen können. Wenn eine Bank einen Kredit vergeben möchte, benötigt sie zunächst die Geldsumme, um sie weiterverleihen zu können. Hierzu kann sie entweder auf Geldeinlagen ihrer Kunden zurückgreifen oder kurzfristige Kredite von der EZB aufnehmen. Aktuell liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00%, so dass Banken quasi kostenfrei Geld von der EZB bekommen. Dies führt zu folgenden Entwicklungen:

  • Niedrige Zinsen für Zinseinlagen: Tagesgeld oder Festgeld werden niedrig verzinst, da Banken lieber auf kostenfreies Zentralbankgeld setzen als auf Kundeneinlagen.
  • Tendenziell niedrigere Zinsen für Kredite: Da die Kosten der Kapitalbeschaffung für die Banken besonders niedrig ausfallen, können sie Kredite tendenziell günstiger vergeben.

2) Die Einlagefazilität

Bei der Einlagefazilität handelt es sich um den Zinssatz, den Banken erhalten, wenn sie kurzfristig Geld bei der Zentralbank parken. Das Zentralbankkonto fungiert dabei so wie ein Bankkonto für eine Bank. Alles Guthaben zum Ende eines Tages wird dort gesammelt und verzinst. Aktuell liegt die Einlagefazilität allerdings bei -0,40%, was folgende Auswirkungen mit sich bringt:

  • Strafzinsen für Guthaben: Da Kundeneinlagen, die die Banken nicht als Kredite wieder vergeben können, als Zentralbankguthaben mit Strafzinsen belegt werden, haben die Banken aktuell kein großes Interesse daran. Aus diesem Grund liegt die Verzinsung für Zinseinlagen sehr niedrig.

Grundsätzlich lässt sich also festhalten, dass die Leitzinsen der EZB aktuell Sparer bestrafen und Kreditnehmer tendenziell begünstigen. Dies hat vereinfacht gesagt einen stimulierenden Effekt auf die Wirtschaft, da die Verbraucher bei niedrigen Sparzinsen eine höhere Konsumneigung verspüren.

Wird sich an der EZB-Zinspolitik kurzfristig etwas ändern?

Bei der letzten Zinsentscheidung der EZB im Juni 2017 haben die Notenbanker klargemacht, dass aktuell noch keine Trendwende geplant ist. Sie hatten alle Leitzinssätze auf ihrem niedrigen Niveau belassen und auch das Anleihekaufprogramm weiter bestätigt. Trotzdem gab es eine Änderung, die zumindest in der nächsten Zeit auf Zinsschritte hoffen lässt. So wurden die Wachstumsrisiken der Eurozone erstmals seit langem als „weitestgehend ausgeglichen“ und nicht mehr als „abwärtsgerichtet“ bezeichnet. Trotzdem ist von einer schnellen und starken Wende aktuell nichts zu spüren. Mehrere Faktoren deuten zudem auf eine eher gemächliche Zinsumkehr hin:

  • Niedrige Inflation: Die EZB geht für 2017 von einer Inflation in Höhe von 1,5% aus, was unter der Zielmarke von 2% liegt. Somit wird sicherlich keine Dringlichkeit in einer Zinsanhebung gesehen.
  • Möglicher Schock für die Wirtschaft: Zinserhöhungen erhöhen die Sparneigung der Verbraucher, was die Wirtschaft wiederum drosselt. Eine zu starke Kehrtwende könnte sich wie ein Schock auf die Konjunktur auswirken. Das dürfte die EZB unbedingt vermeiden wollen.

Was können Anleger aktuell tun?

Für Anleger in Deutschland bedeuten die Magerzinsen enorme Einbußen bei herkömmlichen Zinseinlagen. Der Bruttoertrag hat dabei in den letzten Jahren deutlich gelitten, wie ein Beispiel anhand der Zinsauswertung der Bundesbank zeigt:

 Tagesgeld (Mai 2009)Tagesgeld (April 2017)
Durchschnittsrendite1,03% p.a.0,05% p.a.
Anlagebetrag10.000 Euro10.000 Euro
Rendite nach 12 Monaten103 Euro5 euro
Unterschied+98 EUR

Dies zeigt sehr eindrucksvoll, dass Zinseinlagen wie Tagesgeld oder Festgeld aktuell nicht sonderlich nennenswerte Renditen einbringen. Allerdings lässt sich festhalten, dass die Inflationsraten zumindest in den Jahren 2014 und 2015 ebenfalls sehr niedrig lagen, so dass die Nettorendite nicht in jedem Fall negativ ausfiel. Trotzdem sollten Alternativstrategien überlegt werden:

1) Aktieninvestments über Fonds sind sehr einfach

Ein Investment in Aktien ist heute nicht mehr sonderlich schwierig. Wer sich die Suche nach einzelnen Unternehmen sparen möchte, kann dabei auch auf Aktienfonds setzen. Diese konzentrieren sich jeweils auf verschiedene Märkte oder Branchen, so dass für jeden etwas Passendes dabei sein dürfte.

Hinweis: Wer noch mehr Sicherheit sucht, kann auch auf passive Indexfonds (ETFs) setzen. Diese bilden den Wertverlauf eines Indexes ab und bringen zudem deutlich geringere Kosten mit sich, da kein aktives Fondsmanagement stattfindet. Trotzdem sollten Anleger checken, ob der Index wirklich durch die Aktien abgebildet wird oder durch Swap-Geschäfte, was zusätzliche Risiken mit sich bringen kann.

2) Konservative Direktinvestments sind ebenfalls erfolgversprechend

Neben Investments in Aktienfonds und ETF-Fonds kann auch eine konservative Anlagestrategie mit Direktinvestments in Aktien sehr interessant sein. Dabei werden besonders sichere Aktien von DAX-Unternehmen (Blue Chips oder ähnlich) in relativ krisensicheren Branchen (z.B. Lebensmittel oder Energie) mit einem Buy & Hold-Ansatz erworben. Hierbei geht es darum, nicht ständig Umschichtungen im Aktienportfolio vorzunehmen, sondern lediglich in regelmäßigen Abständen die Aktienwerte zu kontrollieren. Dies hat mehrere Vorteile:

  • Geringe Transaktionskosten
  • So gut wie keine komplizierte Chartanalyse nötig
  • Auch mit geringerem Vorwissen durchführbar

Allerdings sollte auch hier klar sein, dass Anleger sich die gewählten Unternehmen vorher genau anschauen müssen. Dabei ist neben wichtigen Kennzahlen wie dem KGV oder der Umsatz- und Gewinnentwicklung auch das Geschäftsmodell wichtig. Wenn dieses zusätzlich verständlich und zukunftsfähig wirkt, steht einem Investment nichts im Wege.

Fazit

Die niedrigen Leitzinsen der EZB sorgen dafür, dass die Sparzinsen sich auf einem historischen Tiefstand befinden. Aus diesem Grund lohnen sich sichere Zinseinlagen wie Tagesgeld oder Festgeld kaum noch. Anleger sollten deshalb zum einen versuchen, durch Konditionenvergleiche das Beste aus den Marktmöglichkeiten herauszuholen. Zum anderen kann es jedoch auch sinnvoll sein, Teile des eigenen Anlageportfolios in Aktien umzuschichten.

 

Bildquelle: 360degreeAerial – 631008524 / Shutterstock.com

2 Trackbacks & Pingbacks

  1. Wie wirkt sich die Zinspolitik der EZB aus? - Inside Trading
  2. Finanzblogroll - Schulterblick - Finanzartikel KW 28 / 2017

Kommentar hinterlassen