Online Brokerage: Pro und Kontra bei der Depotwahl

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Die Auswahl und Unterschiede im Wertpapierhandel

Vor der Eröffnung eines Depots für den Wertpapierhandel steht man vor einer äußerst wichtigen und grundlegenden Entscheidung: Der Wahl einer niedergelassenen (Haus-)Bank oder einem Online-Broker.

Die Angebote für den Handel an der Börse mit Aktien, Optionen oder Indizes wie dem DAX sind vielfältig. In den Medien trifft man dabei oft auf Angebote für ein reines Onlinedepot oder auch bekannte, ansässige Institute, dessen großen Namen jedem geläufig sein dürften wie der Deutschen Bank oder Commerzbank. Letztere bieten hierbei neben dem direkten, persönlichen Kontakt zum Handel auch den Zugriff auf das Handelskonto als Onlineform an.

Anbieter ohne Filialnetz und persönliche Anlaufstellen hingegen sind reine Online-Broker und stellen Ihr Wertpapierdepot ausschließlich mittels Onlinezugriff zur Verfügung. Zwar bieten auch solche Anbieter einen Support per Telefon, Chat oder E-Mail an, doch einen persönlichen Kontakt mit einem Bankberater werden Sie hier nur selten finden.

Was für manchen als Nachteil gewertet werden kann, stellt allerdings auch einen entscheidenden Unterschied in der Personalstruktur der beiden genannten Brokerformen dar. Und diese Differenz wiederum hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Kosten für ein Wertpapierdepot. Es liegt die Vermutung nahe, dass das Online Brokerage folglich mit einem schmaleren Personalaufbau verbunden sein dürfte, als es eine normale Hausbank vorweisen müsste.

Weiteres Indiz dafür dürfte im zuvor bereits genannten Unterschied liegen, dass reine Online-Broker in der Regel keine Anlaufstellen, Filialen für den direkten Kundenkontakt benötigen und vorhalten.

Da Wertpapiere nicht wie früher tatsächlich physisch Ihren Besitzer wechseln, sind den Möglichkeiten des Onlinehandels fast keine Grenzen gesetzt.

Doch sollten Sie nicht verkennen, dass genau diese Entscheidung der Brokerwahl beim Handel mit Wertpapieren den Grundstein legen bzw. mit entscheidend für den Erfolg Ihres Börsenhandels sein kann. Denn folgerichtig sind u. a. die zuvor genannten Unterschiede maßgeblich für die Gebühren/Kosten dieser Anbieter.

Gebühren und Kosten

Das Führen eines Depots für den Wertpapierhandel ist grundsätzlich mit Kosten verbunden. Neben dem Depot selbst können hierbei Gebühren für den Handel mit Wertpapieren, Indizes (DAX) und Co. entstehen. Allerdings kann auch der Zugriff auf (Echtzeit-)Daten einer Börse mit Kosten zusammenhängen. Hier liegt es an Ihnen und der von Ihnen verfolgten Handelsstrategie, wie schnell Ein- und Ausstiege in Positionen bzw. der Kauf und Verkauf Ihrer Handelsintrumente (Bsp.: Aktien und Optionen) erfolgen muss.

Hält man sich die nun zuvor dargestellten Strukturunterschiede zwischen einem Online-Broker und einer Hausbank vor Augen, wird schnell klar, dass dies Auswirkungen auf die Kosten haben muss.

Da verwundert es nicht, dass der Wertpapierhandel über ein Online-Broker teilweise bereits ab Gebühren in Höhe von 2,00 Euro angeboten wird. Bei einem Vergleich wird offensichtlich, dass hier kein Nicht-Online-Broker preislich mithalten kann. Des Weiteren wird für das Wertpapierdepot beim Online-Broker häufig keine Grundgebühr erhoben. Dagegen sind dem Konto der niedergelassenen Bank oft monatliche Depotführungsgebühren immanent.

Sogar die Zusammenarbeit mancher Onlineanbieter mit bestimmten Emittenten für bestimmte Wertpapiere kann zu ermäßigten Gebühren führen. Erreichen Sie bei Ihrem Handel festgelegte Mindestvolumina, können Sie beim passenden Online-Broker schnell einige Euro sparen.

So liegt durch die unterschiedlichen Aufbauten und Organisationen der hier verglichenen Brokersysteme, im Bereich der Kostenstruktur, der Vorteil eindeutig beim rein online geführten Anbieter.

Erreichbarkeit und Orderausführung

Im Zeitalter des Internets sind auch die Börsen fast rund um die Uhr erreichbar. Der Handel mancher Instrumente kann sogar rund um die Uhr erfolgen. Abhängig vom jeweiligen Handelsstil und der verfolgten Strategie ist es deshalb unausweichlich, jederzeit Zugang zu den Börsen und dem eigenen Depot zu haben. Ein Online-Broker kann dies zweifelsfrei gewährleisen. Die Hausbank, abhängig von der Art des zur Verfügung gestellten Depots, kann dies so nicht anbieten.

Auch hier sollten Sie erneut für sich die Art Ihrer Handelsstrategie als Anhaltspunkt zur Bewertung dieses Punktes heranziehen.

Allerdings spielen nicht nur die Erreichbarkeit Ihres Wertpapierdepots oder der zur Verfügung stehende Ansprechpartner eine Rolle sondern auch die Handelbarkeit der unterschiedlichen Anlageinstrumente. Hier verfügen Online-Broker erfahrungsgemäß über ein umfangreicheres Portfolio als andere Anbieter. Vereinzelt sind durch Kooperationen sogar bestimmte Anlageklassen ausschließlich online verfügbar.

In der zuvor dargestellten Personalstruktur des Online-Brokers liegt allerdings auch dessen Nachteil. Support und Hilfe sind hier lediglich fernmündlich oder -schriftlich möglich. Den direkten, persönlichen Kontakt zu einem Berater können Sie nur selten in Anspruch nehmen. Dies kann mit (teilweise langen) Wartezeiten in Telefonhotlines oder dem stunden- oder gar tagelangen Warten auf Antworten zu E-Mails verbunden sein.

Besonders sticht hervor, dass Sie in der Regel keinen festen, auf Sie abgestimmten Berater haben und im Zweifel wiederholt auftretende Probleme mit unterschiedlichen Supportkräften des Onlinebrokers besprechen müssen.

Hingegen bietet Ihnen die ansässige Bank in der Regel einen festen Berater, welcher Sie mit der Zeit kennt und auch Ihre Handelsgeschichte bei dessen Institut.

Beratung und Regulierung

Genau dieses Bewertungskriterium sollte Sie bei Ihrer Entscheidung maßgeblich beeinflussen. Sind Sie auf Unterstützung bei der Wertpapieranlage angewiesen und verfolgen keine eigenen Strategien, bietet Ihnen die niedergelassene Bank einen nicht zu vernachlässigenden Mehrwert.

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist ebenfalls, dass der Berater Ihrer Hausbank Beratungen nach dem Wertpapierhandelsgesetzt durchführen darf und damit rechtliche Ansprüche einhergehen. Es werden Beratungsgespräche geführt und entsprechende Protokolle über diese erhoben. Online-Broker hingegen können solche Mitarbeiter nur selten vorweisen. Somit sind Sie beim Handel auf Ihre eigene Erfahrung und Börsenkenntnisse angewiesen. Über die Hilfe-Hotline wird Ihnen lediglich der Support im Umgang mit der Handelssoftware oder Ihrem Konto/Depot angeboten. Anlageberatungen können Sie dort nicht in Anspruch nehmen.

Keinen Unterschied gibt es allerdings in der Regulierung der unterschiedlichen Broker-/Bankenarten bzw. der Sicherheit Ihres Einlagekapitals. In Deutschland durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) reguliert und kontrolliert sowie bei ausländischen Brokern (in der Regel) durch die dortigen Aufsichtsbehörden, sind Broker grundsätzlich überwacht.

Vorsicht ist hier allerdings bei ausländischen Anbietern geboten. Vor Eröffnung eines Kontos sollten Sie auf deren behördliche Regulierung achten.

Ob Sie Ihr Kapital beim Online-Broker oder der Hausbank anlegen ist hinsichtlich der Einlagensicherung grundsätzlich unerheblich. Grundsätzlich unterliegen die in Deutschland bzw. Europa geführten Handelskonten dem europäischen Einlagenfonds (oder Sparkassen) und werden darüber hinaus von etlichen Anbietern sogar höher abgesichert; bis zu Werten weit über 500.000 Euro hinaus.

Abschließende Bewertung

Zusammenfassend sind Sie größtenteils von Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Handelsstrategie abhängig bei der Wahl der Brokerart. Schnelle Orderplatzierungen und -ausführungen sind nur mit Onlinevarianten umsetzbar.

Sind Ihre Anlageklassen vielmehr auf lange Zeit ausgelegt, wie es oft bei Aktien oder Fonds der Fall ist, kommt es in der Regel nicht auf Minuten oder Stunden bei der Orderausführung an. Der Weg zum Bankberater oder auch der Anruf zum Aufgeben einer Order, kann zu den normalen Öffnungszeiten erfolgen, ohne maßgeblich Einfluss auf den Erfolg des eigenen Handels zu haben. Bedarf man darüber hinaus auch der persönlichen Beratung durch einen ausgebildeten Finanzexperten, kommt man an einem ansässigen Broker mit Filialaufbau nicht vorbei.

Finden Sie Ihren Handelsansatz mehr beim kurzfristigen Halten von Positionen und sind nicht auf die Beratung angewiesen, weil Sie Ihre Entscheidung auf Grundlage eigener Analysen treffen, sind Sie beim Onlinebroker besser aufgehoben. Die regelmäßig günstigeren Konditionen kommen Ihnen aufgrund Ihrer vermehrten Handelsaktivitäten entgegen. Des Weiteren sind der direkte Kontakt und beim reinen Onlineangebot teilweise mit Kosten verbundenen Telefonorders oder Supportanfragen für Sie verzichtbar.

In der Gesamtbetrachtung bieten Onlinebroker durch den ständigen Zugang zu den Börsen, allen Anlageklassen und -instrumenten sowie der günstigeren Kostenstruktur mehr Vor- als Nachteile. Lediglich die fehlende Beratung könnte der individuelle Anleger nachteilig bewerten.

Grundsätzlich sollten Sie also anhand einer eigenen Bedarfsanalyse entscheiden, ob Ihnen das Alleinstellungsmerkmal der persönlichen Beratung, die mit dem ansässigen Brokersystem einhergehenden Nachteile gegenüber dem Onlineangebot aufwiegt.

Vorteil/Nachteil: Online-Broker

Vorteile

  • Niedrige Gebühren
  • Große Produktvielfalt
  • Zugang zum Börsenhandel weltweit

Nachteile

  • Keine Anlageberatung
  • Keinen festen Berater/Kundenmitarbeiter

Wertpapierdepot-Vergleich

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