Haben politische Börsen wieder mal kurze Beine?

Haben politische Börsen wieder mal kurze Beine?

Habt ihr diesen Spruch schon einmal gehört? Falls nein, dann müsst ihr euch diesen zwingend merken. Dieser hat sich in der Vergangenheit immer wieder als richtig erwiesen. Doch was steckt dahinter?

Aktuell herrscht ein Wortgefecht zwischen Nordkorea und den USA oder eben um genauer zu werden zwischen Kim Yong Un und Donald Trump. In diesem wird mit dem schlimmsten aller Waffen gedroht und damit dem Ausbruch eines verheerenden Krieges. Der Atomwaffe. Dies wäre natürlich das schlimmste was unserer Welt wieder passieren kann. Ein weiterer Atomkrieg.
Meine persönliche Meinung ist, dass Donald Trump mit diesen verbalen Angriffen versucht seinen durchaus angeschlagenen Ruf in der Innenpolitik durch die Außenpolitik zu verbessern. Er fokussiert sich nun auf den „Feind“ von Amerika, da in seinen Wahlprogrammen sei es Obamacare oder seinem Steuerplan nicht voran geht.

DAX Chart vom 14.08.2017
Quelle: https://www.lynxbroker.de/index/dax/

Was hat das für Auswirkungen auf den DAX?

Im Zuge des Sprichworts bedeutet dies, dass der DAX oder eben auch andere Indizes unter stärkeren Druck geraten und fallen. Dies ist meistens nicht nachhaltig, sondern eben eine kurze Bewegung gen Süden in den Indizes. Da es meistens nicht nachhaltig ist, spricht man von „kurzen Beinen“. Im Gegenzug steigt aufgrund der Angst der Marktteilnehmer der Goldpreis an. Das Edelmetall hat nun mal seinen Ruf als „sicheren Hafen“ und „Krisenwährung“.

Nun sehen wir uns die Charttechnik etwas genauer an. Ich versuche ja diese „Kunst“ des tradens zu erlernen und habe mich mit diesem Thema in den letzten Wochen häufig auseinander gesetzt. In meinen vorherigen Beiträgen zum KGV der Indizes bin ich auch auf die sogenannte EMA 200 Linie im Tageschart zu sprechen gekommen. Dies ist im Prinzip der exponentielle Durchschnitt der letzten 200 Tage im DAX. Dieser liegt bei ca. 11.940 Punkten. Mein Bauchgefühl, dass wir diesen testen werden (beim Stand von 12.950 Punkten) hat sich bewahrheitet. Doch wie kann es nun weitergehen? Das wenn ich wüsste… :-). Aber ich versuche weiter mein Bauchgefühl zum Ausdruck zu bringen.

Ich denke es ist mit dem Abgabendruck in unserem DAX noch nicht vorbei. Zwar kann es von diesem EMA 200 noch eine Gegenreaktion nach oben in den Bereich von ca. 12.400 Punkten kommen, aber ich glaube wir werden noch weiter fallen. Diese 12.400 Punkte die ich genannt habe nenne ich bewusst, da wir eben auch dort unser altes Allzeithoch aus dem Jahr 2015 hatten und wir noch nicht nachhaltig weiter gekommen sind. Wir waren zwar bei 12.950 Punkten, allerdings war dies Schwerstarbeit.

Ich glaube, wir werden noch in diesem Jahr den Aufwärtstrend testen. Dieser verläuft bei ca. 11.200 Punkten und kommt von dem Tief aus dem Jahr 2016 bei ca. 8.700 Punkten. Ich hoffe das dann dieser Spuk mit Trump und Kim Yong Un vorbei ist und wir uns wieder auf Quartalszahlen und Unternehmensnachrichten konzentrieren können.

Wie können diese Unternehmenszahlen aussehen? Gut oder schlecht? Ist Amerika oder Europa interessanter?

Ich denke das die kommenden Unternehmenszahlen sowohl in Deutschland, in Europa und in Amerika gut aussehen werden. Aber ich glaube, dass uns Amerika mit ihrem DOW JONES, dem S&P und der NASDAQ davon laufen werden. Sie haben neben der guten Wirtschaftslage einen weiteren Vorteil gegenüber uns Europäern, aber vor allem uns deutschen. Dieser ist das Währungspaar EUR/Dollar. Nun eine These von mir, die natürlich nicht so eintreten muss. Es ist wieder mal „nur“ eine Überlegung.

Ich fange mit der Notenbankpolitik in Amerika an. Die FED schaut hauptsächlich auf den Arbeitsmarkt um eine Entscheidung über Ihre Zinsen zu treffen. Der Arbeitsmarkt ist weiterhin sehr stark, so stark wie zuletzt im Jahr 2007. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zu heute. Das Zinsniveau. Das war damals bei gleicher Auslastung bei ca 4-5%. Heute sind wir nicht einmal bei 2%. Des Weiteren bleibt eine Inflation bei den Gütern aus bzw. ist kaum spürbar. Dies hat natürlich zu einem großen Teil der Ölpreis mit zu verantworten (Stichwort Fracking). Was viele zwar wissen aber nicht alle darüber zur genüge nachdenken ist, dass sich durchaus eine wahnsinnige Preissteigerung bildet. Diese ist verschoben worden in den Anleihenmarkt und den Immobilienmarkt. Diese Luft wird und muss irgendwann mal raus gelassen werden. Ob es nun auf einmal passiert oder versucht wird kontrolliert abgelassen zu werden wird noch offen bleiben.
Ich möchte auch hier noch auf das Niveau der Aktienmärkte eingehen. Diese sind aktuell auch ambitioniert bewertet. Mein Beitrag über den Buffett Indikator sollte euch dies auch nochmals näher bringen.

Aber nun zurück zur Notenbank. Diese wird und kann meiner Meinung nach die Zinsen in Amerika nicht weiter oder eben nicht kontinuierlich erhöhen, da sie damit das ganze Wachstum in Amerika abwürgen würde. Neben diesem haben auch die Politik und die Unternehmen in Amerika kein Interesse daran höhere Zinsen in Kauf zu nehmen. Die FED sollte zwar unabhängig handeln, wird dies aber nicht ganz außer Acht lassen können. In Amerika wird momentan sehr stark fusioniert. Siehe AT&T mit Time Warner, Bayer mit Monsanto um nur die größten zu nennen. Im Falle steigender Zinsen würden auch wieder künftige Fusionen teurer werden und die Zinslast für Unternehmen erhöhen. Eine höhere Zinslast und ein weniger starkes Wachstum der Wirtschaft ist natürlich keine gute Kombination. Diese und vieles mehr sprechen nicht für eine nachhaltige Zinswende. Aufgrund dessen wird es den Unternehmen in Amerika für einen gewissen Zeitraum weiter sehr gut gehen. Durch die nicht durchführbare Zinserhöhung wird dann auch noch das Währungspaar EUR/Dollar zu Gunsten der Amerikaner drehen. Ich rede hier wieder von Wechselkursen von ca 1,30 EUR/USD oder sogar mehr. Was des einen Segen ist, ist des anderen Fluch.

Nun zu unserer Notenbank der EZB und zu uns in Deutschland. Die EZB ist an einem schwachen Euro interessiert und an einer nachhaltigen Inflation von rund 2% in der Eurozone. Was würde aber passieren, wenn die EZB gar ihre Zinsen erhöhen oder das Anleihekaufprogramm komplett einstellen würde?

Der Euro würde stärker werden, somit uns in Deutschland bzw in Europa ein Bein stellen und unsere doch so exportlastige Wirtschaft abwürgen bzw. eben verlangsamen. Für unseren DAX und deren Unternehmen darin ist dieses Szenario kein sehr erfreuliches. Genau aus diesem Grund glaube ich auch, dass der EUROSTOXX 50 unseren DAX in seiner Entwicklung (schaut euch diese mal im Vergleich 2011 – heute an) wieder aufholen wird. Neben dem aktuellen Problem des „Dieselskandals“ hätten wir auch noch das Problem der Währung. Allerdings glaube ich, dass sich die Politik mit dem aktuellen Fall des „Dieselgates“ bestimmt Förderungen einfallen lässt und auch verabschiedet um den Autobauern unter die Arme zu greifen. Dies wird aber erst nach der Bundestagswahl passieren, da sich vorher keiner zu weit aus dem Fenster lehnen will.

All das oben beschriebene sind meine aktuellen Gedanken zur Marktlage und deren Zukunft. Als Fazit möchte ich noch folgendes schreiben. Nachdem wir im DAX die ca. 11.200 Punkte erreicht haben werden wir meiner Meinung nach wieder weiter steigen. Dies hat zwar den Klotz des EUR/Dollar dabei, aber die EZB wird der Wirtschaft schon unter die Arme greifen. Des weiteren werden unsere Autobauer von Unterstützungen des Staates profitieren was dem DAX Auftrieb geben kann. Die Schere zwischen dem EUROSTOXX und dem DAX wird meiner Meinung nach etwas kleiner werden.
Die Amerikaner werden uns was die Stände der Indizes angeht davon laufen. Das Problem für uns Euro Investoren ist, dass wir aufgrund des stärker werdenden Euros davon weniger profitieren können. Dies kann noch eine Zeit weitergehen bis zum Beispiel Ende 2018 und dann kann Luft aus dem Markt genommen werden. Der Buffett Indikator zeigt uns ja schon, dass auch die Aktienmärkte überteuert sind. Dies soll bitte keine Handlungsempfehlung oder ein Muss darstellen. Dies sollen lediglich meine Gedanken sein zu der aktuell sehr spannenden Marktphase.

Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Investieren.


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